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Kommunikation auf Augenhöhe: Haltung und Selbstbewusstsein im Gespräch

13.08.2026 Anja Klute

Kommunikation auf Augenhöhe: Haltung und Selbstbewusstsein im Gespräch

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Augenhöhe entsteht aus zwei Dingen: der Akzeptanz des Gegenübers als menschlich gleichwertig und der Akzeptanz der unterschiedlichen Rollen, die am Tisch sitzen.
  • Wer wen wofür auf- oder abwertet, entscheidet über die Schieflage im Gespräch. Vorurteile, Titel, Kompetenzen und das eigene Selbstwertgefühl spielen dabei mit.
  • Zwei Haltungen verhindern Verständigung zuverlässig: immer recht haben zu wollen und ohne gemeinsames Ziel ins Gespräch zu gehen.
  • Gesprächstechniken wirken erst, wenn die Haltung stimmt. Umgekehrt funktioniert es nicht.

Was Augenhöhe eigentlich bedeutet

Kommunikation und dann auch noch auf Augenhöhe: welch wunderbares und facettenreiches Thema.

Kurz definiert

Kommunikation auf Augenhöhe bedeutet, das Gegenüber als menschlich gleichwertig anzuerkennen und gleichzeitig zu akzeptieren, dass unterschiedliche Rollen mit unterschiedlicher Verantwortung am Tisch sitzen. Beides zusammen, nicht eines von beiden.

Zwei Fragen, die es in sich haben

Was heißt eigentlich Augenhöhe? Für mich setzt sich Augenhöhe aus vielen Aspekten zusammen. Akzeptiere ich mich und mein Gegenüber als menschlich gleichwertig? Akzeptiere ich situationsbedingt auch die unterschiedlichen Rollen und Ebenen, die am Tisch sitzen?

Zwei schnell gestellte Fragen, die es in sich haben. Denn zur Akzeptanz der Gesprächspartner gehört unser generelles Menschenbild, unsere Meinung vom Gegenüber und mir. Wo werte ich wen und warum ab? Bei was werte ich wen und warum auf und erhöhe sie oder ihn? Das können zum Beispiel Vorurteile, Verhaltensweisen, Titel, Kompetenzen oder das eigene Selbstwertgefühl sein, die das menschliche Miteinander aus dem Gleichgewicht und in die Schieflage bringen. Ist sie gegeben, ist es leichter, zum Beispiel kontrovers zu diskutieren, Unterschiedlichkeiten zu akzeptieren oder das Ziel und das beste Ergebnis zu verfolgen.

Warum Rollenakzeptanz dazugehört

Daneben ist auch die Rollenakzeptanz ein wichtiger Einflussfaktor. Dazu gehört die Klarheit und die Akzeptanz von Verantwortung und Kompetenzen in der aktuellen Situation. Beispielsweise die Führungskraft, die partnerschaftlich führt und dennoch eine unpopuläre Entscheidung trifft.

All diese Aspekte beeinflussen eine konstruktive Kommunikation: das echte Zuhören, Nachfragen, Zusammenfassen, wichtige Aspekte klar anzusprechen, das Gegenüber verstehen zu wollen, unterschiedliche Ansichten nebeneinanderzustellen, Zuschreibungen zu vermeiden.

Zwei Stolpersteine

Zwei Punkten möchte ich noch ein wenig Raum geben.

Immer recht haben wollen

(Immer) Recht haben wollen und müssen. Diese Einstellung verhindert die echte Verständigung. Verhalten wie hohe Redeanteile, ins Wort fallen, dem anderen nicht wirklich zuhören, wenige Fragen stellen sind dann eher an der Tagesordnung. Zum anderen kann es passieren, dass man selbst viel dafür tut, dass das Gegenüber sich so verhält, wie ich es „weiß“. Dann gestaltet man aktiv die selbsterfüllende Prophezeiung mit.

Kein gemeinsames Ziel

Keine gemeinsamen Ziele. Viele Gespräche haben ein Ergebnis, doch welche Ziele wurden verfolgt? Wenn wir selbst nicht wissen, mit welchem Ziel wir Dinge ansprechen oder was mein Gegenüber von mir will, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man woanders ankommt. Gesprächspartner, die mindestens eine gemeinsame Ausrichtung haben, können sich als „Partner“ verstehen.

Dos und Don’ts im Gespräch

Die folgende Übersicht fasst zusammen, was im Text bereits steht. Sie ersetzt die Haltung nicht, sie macht sie im Alltag überprüfbar.

Das bringt dich weiter

Das bringt dich vom Ziel weg

Echt zuhören, nicht nur warten, bis du dran bist

Hohe Redeanteile

Nachfragen und das Gehörte zusammenfassen

Ins Wort fallen

Wichtige Aspekte klar ansprechen

Wenige Fragen stellen

Unterschiedliche Ansichten nebeneinanderstellen

Recht haben wollen

Zuschreibungen vermeiden

Das Gegenüber in eine Rolle drängen, die du erwartest

Vorher klären, welches Ziel du verfolgst

Ohne Ziel ins Gespräch gehen

Fazit

Die Kommunikation auf Augenhöhe braucht eine Einstellung, eine innere Haltung. Dann können die konstruktiven Techniken auch ihre volle Kraft zeigen.

──── FAQ ────

Häufige Fragen zur Kommunikation auf Augenhöhe

Was bedeutet Kommunikation auf Augenhöhe?

Das Gegenüber als menschlich gleichwertig anzuerkennen und zugleich zu akzeptieren, dass unterschiedliche Rollen mit unterschiedlicher Verantwortung im Gespräch sind. Beide Teile gehören dazu.

Ist Augenhöhe dasselbe wie Gleichberechtigung im Gespräch?

Nein. Eine Führungskraft, die partnerschaftlich führt, trifft trotzdem Entscheidungen, die nicht allen gefallen. Augenhöhe heißt nicht, dass Verantwortung verschwindet.

Reichen gute Gesprächstechniken?

Nein. Aktives Zuhören, Nachfragen und Zusammenfassen wirken erst, wenn die Haltung dahinter stimmt. Ohne sie werden sie zu Technik, die das Gegenüber spürt.

Woran merke ich, dass ein Gespräch aus dem Gleichgewicht ist?

Z.B. an den Redeanteilen, an der Zahl der Fragen und daran, ob du dein Gegenüber wirklich verstehen oder nur seine Argumente entkräften willst.


JOBS.DE zum Thema

Im Vorstellungsgespräch entscheidet Augenhöhe darüber, ob du geprüft wirst oder ob zwei Seiten prüfen, ob es passt. Weitere Beiträge zu Bewerbung und Interviewvorbereitung findest du auf JOBS.DE.

Anja Klute

Über die Autorin

Anja Klute

Anja Klute ist Diplom-Psychologin und begeistert von Entwicklung. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie als Coach und Trainerin, unter anderem im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2021 ist sie Mitgründerin der AF1 GmbH, die nur ein Thema kennt: den lebenswerten Ruhestand im 21. Jahrhundert.

Foto: ageforce1.com

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